Zentraleuropäische Länder und Peripherieländer mit unterschiedlicher Entwicklung - Insolvenzen, ein Spiegel der Krise
07.02.2012
Die prekäre Lage der Volkswirtschaften Südeuropas spiegelt sich
im Insolvenzgeschehen wider: So finden sich Griechenland (plus 27,3
Prozent auf 452 Fälle), Spanien (plus 18,7 Prozent auf 5.752 Fälle),
Italien (plus 16,9 Prozent auf 11.792 Fälle) und Portugal (plus 17,1
Prozent auf 6.025 Fälle) unter den Ländern mit deutlichen Zuwächsen bei
den Unternehmensinsolvenzen. Der vergleichsweise guten Entwicklung in
den zentraleuropäischen Ländern wie Deutschland (minus 5,8 Prozent auf
30.200 Fälle), Frankreich (minus 3,0 Prozent auf 49.506 Fälle),
Österreich (minus 7,0 Prozent auf 6.194 Fälle) und den Niederlanden
(minus 2,9 Prozent auf 7.000 Fälle) ist es zu verdanken, dass die
Insolvenzsituation in diesem Jahr kein dramatischeres Ausmaß angenommen
hat.
Peripherieländer im Schatten der Schuldenkrise
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den EU-15-Ländern plus
Norwegen und der Schweiz ist im vergangenen Jahr auf 174.917 gestiegen.
Damit konnte ein leichter Zuwachs von 0,3 Prozent gegenüber 2010
registriert werden, als noch 174.463 Unternehmen von einer Insolvenz
betroffen waren. Im historischen Vergleich befindet sich die Zahl der
Insolvenzfälle seit dem Beginn der Finanzkrise 2008/09 auf einem hohen
Niveau.
Anstieg bei insolvenzgefährdeten Stellenverlusten – jede dritte Insolvenz ein Dienstleistungsunternehmen
Die Verschärfung der Lage im europäischen Insolvenzgeschehen hat sich
auf die insolvenzbedingte Arbeitslosigkeit ausgewirkt. So ist die Zahl
der drohenden Arbeitsplatzverluste im Jahr 2011 um 7,1 Prozent auf 1,5
Millionen gestiegen (2010: 1,4 Millionen).
In Westeuropa sank die Zahl der insolventen
Dienstleistungsunternehmen von 65.598 auf 64.544. Jedoch besaß der
Dienstleistungssektor im Jahr 2011 mit 36,9 Prozent immer noch den
größten Anteil am Insolvenzgeschehen. 18.366 Insolvenzen kamen aus dem
Verarbeitenden Gewerbe. Dies entspricht einem Anteil von 10,5 Prozent
(2010: 10,9 Prozent; 19.016 Fälle). In den übrigen Wirtschaftsbereichen
haben die Insolvenzzahlen zugenommen. So ist die Zahl der
Firmenzusammenbrüche im Handel und Gastgewerbe von 53.211 auf 54.574
gestiegen. Der Anteil am Insolvenzgeschehen erhöhte sich binnen
Jahresfrist von 30,5 auf 31,2 Prozent. Der Anteil des Bausektors erhöhte
sich von 21,0 auf 21,4 Prozent. Im Jahr 2011 wurden insgesamt 37.432
insolvente Baufirmen registriert (Vorjahr: 36.637 Fälle).
Rückgang bei den Privatinsolvenzen
Die Situation bei den Privatinsolvenzen hat sich entspannt. 2011
wurden in Westeuropa insgesamt 373.284 zahlungsunfähige natürliche
Personen erfasst. Damit wurden rund 5.800 Personen weniger gezählt als
im Vorjahr (379.091 Fälle). Dies entspricht einem Rückgang um 1,5
Prozent. Der Rückgang lässt sich hauptsächlich auf die positive
Entwicklung in Deutschland (minus 5,8 Prozent; 129.800 Fälle) und
Großbritannien (minus 8,8 Prozent; 143.871 Fälle) zurückführen. Ein
deutlicher Zuwachs an Privatinsolvenzen musste in Frankreich (plus 26,4
Prozent; 56.079 Fälle), gefolgt von den Niederlanden (plus 26,0 Prozent;
14.344 Fälle) und Finnland (plus 19,7 Prozent; 3.531 Fälle) gemeldet
werden.
Angespannte Insolvenzsituation in Osteuropa
Das wirtschaftliche Umfeld in den osteuropäischen Staaten wurde zu
einem großen Teil durch die Schuldenkrise und den daraus entstehenden
Konsequenzen in den Ländern Westeuropas bestimmt. Insgesamt ist die
Situation im Angesicht der sich abzeichnenden schwierigen
Kreditsituation für Unternehmen angespannt. So hat die die Zahl der
Firmenzusammenbrüche in Osteuropa um 6,1 Prozent auf 39.423
Insolvenzfälle zugenommen (2010: 37.139 Fälle). Die größten Zuwächse
sind in Bulgarien (plus 114,3 Prozent; 1.500 Fälle), Slowenien (plus
32,4 Prozent; 675 Fälle) und Tschechien (plus 21,5 Prozent; 6.753 Fälle)
zu verzeichnen. Ein deutlicher Rückgang zeigt sich in Lettland (minus
66,8 Prozent; 800 Fälle) und Estland (minus 49,2 Prozent; 256 Fälle).
Die meisten Insolvenzfälle in Osteuropa waren dem Handel und
Gastgewerbe zuzurechnen (37,0 Prozent). Der Anteil des
Dienstleistungssektors lag bei 28,2 Prozent. Fast jede fünfte Insolvenz
(19,2 Prozent) betraf einen Betrieb aus dem Verarbeitenden Gewerbe. 15,6
Prozent der Firmenzusammenbrüche betrafen ein Bauunternehmen.
In Mittel- und Osteuropa dürften 230.000 Stellen durch eine Insolvenz gefährdet sein (2010: 200.000).
Unternehmen aus der Mittelmeerregion überziehen am längsten
Wie schwierig es um die Liquidität der südeuropäischen Unternehmen
bestellt ist, zeigen die schlechten Zahlungserfahrungen
exportorientierter deutscher Unternehmen. So musste jedes vierte
deutsche Unternehmen (25,2 Prozent) einen Zahlungsverzug von über einen
Monat hinnehmen, wenn es Waren nach Italien ausführte. Ebenso schlechte
Schuldner waren spanische und portugiesische Unternehmen. 23,4 Prozent
der deutschen, im Export tätigen Unternehmen klagten über Kunden aus
Spanien und Portugal, die das vereinbarte Zahlungsziel über 30 Tage
verstreichen ließen. Geschäftliche Beziehungen nach Osteuropa waren mit
ähnlichen Problemen behaftet. Nur jeder zehnte deutsche Exporteur hatte
keinen Zahlungsverzug zu beanstanden, wenn er Waren in Länder wie
Rumänien und Kroatien (10,6 Prozent) oder Tschechien und Ungarn (10,7
Prozent) ausführte.
In den zentraleuropäischen Volkswirtschaften stellte sich die Lage
positiver dar. So blieben deutsche Unternehmen bei einem Export nach
Österreich und in die Schweiz in mehr als drei von zehn Fällen (35,3
Prozent) von einem Zahlungsverzug gänzlich verschont. Als relativ gute
Schuldner zeigten sich ebenso die Benelux-Länder. Fast jedes vierte
deutsche Unternehmen (23,3 Prozent), das Waren in diese
Volkswirtschaften lieferte, musste keinen Zahlungsverzug hinnehmen.
Rückläufige Zahlen bei den US-amerikanischen Insolvenzzahlen
In den USA war das Jahr 2011 vom Schuldenabbau geprägt. So konnten
8,2 Prozent weniger Privatinsolvenzen registriert werden (2011:
1.411.000 Fälle; 2010: 1.536.799 Fälle). Ebenso positiv entwickelte sich
die Insolvenzlage im Unternehmenssektor. Im Jahr 2011 mussten nur noch
48.500 Unternehmen Insolvenz anmelden (Vorjahr: 56.282 Fälle; minus 13,8
Prozent).
Die Ausführliche Analyse finden Sie hier
Insolvenzen in Europa 2011/12
Grafiken und Schaubilder zur Analyse halten wir hier für Sie bereit:
Insolvenzen_in Europa 2011/12
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