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Forderungslaufzeit in Deutschland steigt auf 43 Tage

Im 1. Halbjahr 2017 haben sich die Zahlungsziele in Deutschland, also die Zeitdauer, bis eine Rechnung bezahlt werden muss, weiter verlängert. Die Auswertung des Creditreform Debitorenregisters Deutschland (DRD) zeigt, dass Lieferanten und Kreditgeber im Durchschnitt ein Zahlungsziel von 32,51 Tagen gewähren. Das war ein ganzer Tag mehr als im Vorjahr (1. Halbjahr 2016: 31,52 Tage). Offenbar ist das Vertrauen in den Geschäftspartner gestiegen.

Im Zuge der anhaltend guten Wirtschaftslage waren die Forderungsausfälle zuletzt zurückgegangen. So räumen Kreditgeber mittlerweile längere Ziele bei Kauf auf Rechnung ein. Insbesondere großen Kunden werden längere Zahlungsziele gewährt (1. Halbjahr 2017: 35,16 Tage; plus 1,35 Tage), kleinen Unternehmen dagegen nicht (28,84 Tage; minus 0,04 Tage).  

Die Verlängerung der Zahlungsziele bedeutet allerdings eine Ausweitung der Forderungslaufzeit auf insgesamt 42,62 Tage im 1. Halbjahr 2017 (1. Halbjahr 2016: 41,97 Tage). Damit dauert es 0,65 Tage länger als im Vorjahr, bis eine Forderung schließlich realisiert werden kann. Entsprechend stärker wird die Liquidität der Lieferanten und Leistungserbringer belastet. Überdurchschnittlich lange Forderungslaufzeiten waren bei Geschäften mit Unternehmen aus dem Einzelhandel festzustellen (48,03 Tage), gefolgt vom Baugewerbe (46,67 Tage) und Unternehmensdienstleistern (45,94 Tage).

Gute Nachricht: Weniger Zahlungsverzögerungen

Die Zahlungsverzugsdauer bei B2B-Geschäftstransaktionen in Deutschland hat sich im 1. Halbjahr 2017 leicht auf 10,11 Tage verringert (1. Halbjahr 2016: 10,45 Tage). Eine bessere Zahlungsmoral zeigt sich dabei u. a. in der chemischen Industrie (Zahlungsverzug: 7,94 Tage; minus 1,43 Tage) sowie im Einzelhandel (8,81 Tage; minus 0,85 Tage). Zu einer Verschlechterung des Zahlungsverhaltens und damit längeren Zahlungsverzögerungen kam es dagegen im Verkehrs- und Logistiksektor sowie bei personenbezogenen Dienstleistungen. Unternehmen aus diesen Wirtschaftsbereichen ließen ihre Gläubiger im Schnitt noch 11,59 Tage (plus 0,20 Tage) bzw. 14,23 Tage (plus 0,46 Tage) warten, nachdem das Zahlungsziel verstrichen war.  

Der UG werden die Zahlungsziele gekappt

Betrachtet man die Rechtsformklassen so zeigt sich eine schnellere Zahlungsweise der Unternehmergesellschaft (UG). Im Durchschnitt sind Rechnungen hier noch 17,80 Tage überfällig. Das sind 1,49 Tage weniger als in der Vorjahresperiode, aber immer noch mehr als bei jeder anderen Rechtsform. Der UG wurden auch die Zahlungsziele auf durchschnittlich 22,67 Tage gekürzt. Zum Vergleich: Einer GmbH werden im Durchschnitt 32,36 Tage (Vorjahr: 30,89 Tage) und damit etwa zehn Tage mehr Zahlungsziel gewährt. Auch werden von der Unternehmergesellschaft (UG) deutlich kleinere Beträge per Rechnung bezahlt. Im Durchschnitt waren es im 1. Halbjahr 2017 554 Euro (GmbH: 1.946 Euro).

Unternehmen haben zehn Rechnungen zu bezahlen

Ein Gradmesser für die Wirtschaftsaktivität einer Firma ist auch die Anzahl der Rechnungsbelege, die diese zu begleichen hat. Die Analyse zeigt, dass vor allem die Rechtsformen „AG“, „KG“, „eG“ und „GmbH & Co. KG“ sehr viele Geschäftsbeziehungen eingehen und pro Unternehmen zwischen Januar und Juni 2017 bis zu 88 Rechnungen (AG) bezahlt haben. Im Durchschnitt hatte ein Unternehmen in Deutschland im 1. Halbjahr 2017 zehn Rechnungen beglichen. Eine UG hatte in diesem Zeitraum vier Käufe auf Rechnung getätigt, Unternehmen aus dem Bereich „Freie Berufe“ nur zwei.

Datenbasis Creditreform Zahlungsindikator Deutschland:

•    Zu rund 985.000 Unternehmen liegen Zahlungsinformationen im Debitorenregister Deutschland (DRD) vor.
•    Ein Belegvolumen von 60 Mrd. Euro zu 1.161 Branchen wird in Deutschland analysiert.
•    monatlich ca. 8 Mio. neue Zahlungsinformationen

Die ausführliche Analyse finden Sie hier

  Presseinformation 169 kB 
  Analyse Creditreform Zahlungsindikator Deutschland, Sommer 2017 192 kB